"Kurvenfahren lernt man beim Hiltruper Radrennen"

Der eine, Gideon Schwarze, war einer der Treiber, als 2016 das Hiltruper Traditionsradrennen „Rund um die Marktallee“ nach einer Pause mit Unterstützung der AGRAVIS Baustoffhandlung in Amelsbüren wiederbelebt wurde. Der andere, Fabian Wegmann, stieg ein Jahr später als sportliches Aushängeschild und Schirmherr mit ein. Gideon Schwarze, 1. Vorsitzender des Radsportvereins Münster, und Fabian Wegmann, ehemaliger Radrenn-Profi aus Münster, deutscher Meister und heute zum Beispiel Co-Kommentator bei der ARD oder als Sportlicher Leiter des Sparkassen Münsterland Giro und der Deutschland-Tour im Radsport aktiv, blicken im Interview auf „ihr“ Radrennen: den „AGRAVIS-Cup – 88 mal um die Marktallee“.

 

Wie hat sich das Hiltruper Radrennen, heute „AGRAVIS-Cup – 88 mal um die Marktallee“, seit seiner Wiederaufnahme im Jahr 2016 entwickelt?


Schwarze: In jeder Hinsicht sehr positiv. Von Jahr zu Jahr kommen mehr Zuschauer auf die Marktallee. Da haben wir uns immer gesteigert. Aber was sich auch sehr erfreulich entwickelt, ist der Effekt auf uns als Radsportverein Münster. Wir haben uns damit beim Nachwuchs in Position gebracht. Unsere Jugend schaut auf dieses Rennen,
da sie sich dort präsentieren kann, und das motiviert ungemein.

 

Wegmann: Es ist auch schön zu sehen, wie Hiltrup auf dieses Rennen reagiert. Es war  ja früher schon ein sehr großes Rennen, und auch jetzt identifizieren sich von Mal zu Mal mehr Hiltruper damit. Insgesamt weiß ich von meiner Arbeit beispielsweise für die Deutschland-Tour, dass das Interesse am Radsport in Deutschland wieder anzieht. Diese Akzeptanz ist schön zu sehen. Vor allem, dass auch die Kinder wieder Bock darauf haben. Die Kids bleiben gerade nach einem Erlebnis vor Ort wie dem AGRAVIS- Cup oft dabei und das ist für den Verein sehr wichtig. Heute ist es ja so, dass die Kinder gegen die ganze Welt fahren, aber per E-Sports auf dem PC. Alles, was sie motiviert rauszugehen und aktiv Sport zu treiben, ist da gut. Und wenn es „meine“ Sportart ist:
umso besser!

 

Schwarze: Wir schauen stark auf die Jugend, das ist für uns als Verein nachhaltiger.
Wenn die Sportler erstmal im Amateurbereich fahren, machen viele ihr eigenes Ding.
Aber um die darunter, die Jugendlichen, müssen wir uns kümmern. Das macht einen
Verein auch groß und stark.

 

Was macht den besonderen Reiz des AGRAVIS-Cups aus – auch im Vergleich zum Sparkassen Münsterland Giro oder der Deutschland-Tour, wo Sie, Herr Wegmann, ebenfalls engagiert sind?


Wegmann: Der Sparkassen Münsterland-Giro ist gerade für Kinder gigantisch. Das Hiltruper Rennen ist kleiner, familiärer, es vermittelt den Radsport direkter als ein großes Rennen. Bei den großen Rennen sieht die Jugend ihre Idole. Dort kommen die jungen Fahrer dann vielleicht hin, wenn sie selbst die kleineren Rennen fahren. Rennen wie das in Hiltrup sind für junge Leute der Einstieg in unseren Sport. Beim AGRAVIS-Cup ist ja der enge Rundkurs etwas ganz Besonderes. Man könnte sagen: Ausdauer holt man sich bei den Straßenrennen - Kurvenfahren, Windschattenfahren, Taktieren, das lernt man beim Hiltruper Rennen.

 

Schwarze: Taktik ist übrigens durchaus wichtig bei einem Radrennen, das ist vielen gar nicht so bewusst. Ein Eintages-Rennen ist ganz anders zu fahren als ein Rundstreckenkurs. Man könnte auch sagen: Da treffen sich Marathonläufer und 100-Meter-Sprinter in einem Lauf. Deshalb kann man auch nicht sagen: Der hat jetzt die
Tour de France gewonnen, das ist der beste Radfahrer der Welt. Das macht Rennen so schlecht berechenbar, was den Sport so spannend macht. Bei uns in Hiltrup beispielsweise könnten aufgrund des sehr speziellen Kurses gute Amateure den Profis durchaus zu schaffen machen.


Herr Wegmann, Sie sind 2017, nach Ende Ihrer aktiven Karriere, recht spontan
Schirmherr des AGRAVIS-Cups geworden. Wie kam das?


Wegmann: Ich habe ja elf Jahre in Freiburg gewohnt und war als Profi viel unterwegs. Ich wollte dem Radsport und dem Verein etwas zurückgeben. Mein Vater hat das Hiltruper Radrennen lange Zeit organisiert. Es ist also schon so etwas wie eine Herzensangelegenheit für mich, auch privat. Mein Sohn ist 2018 erstmals bei den Mini
Champions auf der Marktallee mitgefahren und war total begeistert. Es bleibt also irgendwie eine Familiensache.


Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre für den AGRAVIS-Cup?


Wegmann: Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr Jugendrennen unterbringen könnten, so dass wir das ganze Spektrum Jugend, Junioren und Amateure abdecken könnten.


Schwarze: Da schließe ich mich an. Am liebsten hätte ich Rennen für die U15, U17 und U19-Fahrer und danach als Höhepunkt und Abschluss das Amateurrennen. Das ist als Programm für einen Freitagabend allerdings schwierig, wir stoßen da zeitlich an unsere Grenzen. Insgesamt finde ich aber, dass die Fahrradstadt Münster mit den beiden Radrennen Münsterland-Giro und AGRAVIS-Cup super aufgestellt ist. Der Giro ist das Profirennen, unser Rundkurs das für die Amateure. Das befruchtet sich gegenseitig. Wir haben, was Radrennen angeht, eine tolle Infrastruktur. Das verdanken wir auch unserem Partner AGRAVIS Baustoffhandel, mit dem wir das Hiltruper Rennen seit 2016 Jahr für Jahr weiterentwickelt haben.